Nach den Bond aus Argentinien die Immobilienfonds aus Südtirol

Es war ausgerechnet die Südtiroler Sparkasse, das größte Südtiroler Kreditinstitut, welche damals für einen Gegenwert von mehreren Millionen Euro Bonds aus Argentinien gekauft und nachher ihrer werten Kundschaft angeboten hatte. In der Zeit von 1999 bis 2001 haben somit mehr als 700 Kunden ihr Vertrauen der Sparkasse geschenkt, im Vertrauen auf das Wort "Sparen", welches schön im Firmennamen steht. Wem sonst kann man sein Erspartes anvertrauen?

Wir alle wissen, welches Ende die Geschichte hatte. EIn grosses Loch ist im Haushalt der Sparkasse, viele kleinen Löcher sind im Haushalt der Sparer entstanden.
Die Tango-Bond, so die liebevolle Bezeichnung die diese Investitionsform verdient hat, hat nachhaltig das ganze Investitions-Panorama geprägt. Nun schlägt die Sparkasse neue Investitionsformen vor: es geht um ein Immobilienfonds namens Dolomit.

Das Angebot klingt sehr überzeugend: man investiert nämlich in Immobilen, die in der Zeit sicher eine Aufwertung kennen werden. Viele Sparer beteilegen sich an dieser Gelegenheit, indem sie kleine Quoten des Immobilenparks kaufen und die sichere Aufwertung erwarten.

In der Vergangenheit haben die Immobilien ständig an Wert gewonnen, alle Familien in Südtirol wissen das. Schon nach einem Jahr gibt es Aufwertungen bis zu 50%. Einzige Schwierigkeit beim Kauf einer Immobilie war immer der hohe Preis und die langjährige Verpflichtung eines Darlehens. Die Idee der Quotenbeteiligung am Immobilenbesitz erscheint deswegen besonders attraktiv. Sogar diejenigen, die durch die Tango-Bonds geprellt wurden, können nun das übriggebliebene Geld in die Immobilenquoten investieren!

Schon wieder ein Reinfall?

Wir behaupten seit jeher, dass die verwalteten Sparformen mit einem hohen Risiko verbunden sind. Alle Variationen eines Fonds, mit Aktien, Währungen, Obligationen, usw. verbergen grosse Gefahren. Das wiederholen wir auch in bezug auf die Immobilenfonds, und nennen auch die Gründe.

Nehmen wir als Beispiel die Anteile an Ferien-Immobilien. Hier sind sehr viele Probleme bekannt, nicht zufällig in Verbindung mit den Immobilen selbst und eren Erhaltungspesen.
Die Immobilenfonds existieren seit langem in vielen Staaten, insbesondere in den USA und in der Schweiz.

In Italien und allgemein in Europa galten diese Fonds bis ans Ende der Neunzuger Jahre als unnütz. Warum in ein Immobilenfonds investieren, wenn es genügte, in die börsenquotierten Aktien einer Immobiliengesellschaft anzulegen? Die Verwaltung eines Immobilenfonds ist viel komplexer als jene eines normalen Fonds.

Wie haben diese Investitionsformen bisher abgeschnitten? Enttäuschend, muss man sagen, nicht zuletzt infolge vieler Konkursmeldungen der beteiligten Gesellschaften (z.B. die Immobiliare Roma, oder die Gruppe um die Familie Caltagirone, die Impregilo und andere, deren Namen von den Kreditinstituten wohl bekannt waren...

Die Erfahrungen mit Immobilenfonds klaffen nicht viel von den Entwicklungen mit den herkömmlichen Investmentfonds auseinander: manchmal haben erstere sogar schlimmere Ergebnisse geliefert! Enron und die hypothekare Spekulation haben die Entwicklung der Immobilenfonds nachhaltig beeinflusst, do dass die erst in dieser Zeit, nach den Skandalen um die Bonds, wieder angeboten werden.

Welche Risiken sind damit verbunden?

Wenn ein normaler Investmentfonds teuer zu stehen kommt, dann kann ein Immobilienfonds viel schlimmer ausgehen!
Es gibt zahlreiche Kostenpositionen: die Verwaltungsgesellschaft, die Kauf- und Notarkosten, die Immobiliensteuer, die Provisionen an die Vermittler, usw. Weitere Kosten fallen mit der Fondsverwaltung und der Werbung. All diese Kosten gehören amortisiert, und dies geschieht durch die Mieteinnahmen und durch die Endabrechnung, welche beim Fonds "Dolomit" nach 8 Jahren eintritt.

Ein grosser Unterschied gegenüber den traditionelleren Anlageformen betrifft die Quotierung der Fondsanteile. Bei einem Aktienfonds etwa wird die Quote anhand der Börsenperformances berechnet, somit einer objektiven Grösse.

Beim Immobilenfonds dagegen existieren keine Börsequotierungen: der Wert der Anlagen wird allein durch Sachberichte, Umfang der offenen Mietverträge sowie andere schwer objektiv einzuschätzende Elemente beziffert. Ein vorzeitiger Ausstieg vor dem vertraglichen Ablauf ist übrigens unmöglich, es sei denn, man sucht sich auf dem privaten Markt einen Interessenten.

Jüngste internationale Erfahrungen zeigen eine sehr bunte Entwicklung innerhalb dieser Fonds, und die eingefahrenen Verluste können auch schwer zu Buche schlagen, vor allem bei denjenigen, die schnell ihre Anteile verkaufen wollen.

Unserer Ansicht nach grenzt an Irreführung jede Behauptung, die für diese Anlageformen ein niedriges Risiko einstuft. Im Immobilen-Bereich gibt es eine ganze Reihe an schwer einkalkulierbaren Risiken: teure Instandhaltungsarbeiten, Beschädigungen, Brandstiftungen, Erdebenschäden, usw.

Noch ein wichtiges Element stellen die anfänglichen Quotierungen der Immobilien: zu den Beschaffungskosten summieren sich noch zahlreiche weitere Kostenposten, welche auch bis zu 20% des Immobilienwertes ausmachen dürften. Ausschlaggebend wird somit der Zeitpunkt, in welchem der Kauf der Immobilien erfolgt. Spekulation ist z.B. in diesem Bereich an der Tagesordnung.
In dieser Zeit erachten wir eine solche Investitionsform als nicht empfehlenswert!

Schleßlich ist jeder frei, das eigene Geld nach eigenen Kriterien anzulegen und sein Vertrauen dem einen oder dem anderen, etwa einer Bank, zu schenken. Wir sind keine Hellseher, empfehlen aber dem Verbraucher, sich Fragen zu stellen. Die entsprechenden Antworte möchten wir lieber nicht erfahren. Eine dieser Fragen könnte folgende sein:

können wir noch unser Vertrauen den Finanzangeboten der Banken schenken?